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Gartenprojekt „Hortulus“ –Neugestaltung des Klostergartens- Am Geburtsort des „Hortulus“ soll sein kulturelles Erbe für den Besucher verständlich und unterhaltsam inszeniert werden.

Ist-Zustand
Die Insel selbst und vor allem die drei Kirchen gehören seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die klösterliche Tradition hat viele Facetten: Hier wurde nicht nur gebetet, sondern auch gebaut, gemalt, politisiert, gelehrt und geschrieben. So spielte das Kloster in karolingischer Zeit eine entscheidende Rolle in Politik und Kultur. Hier schrieb in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts der Mönch Walahfrid Strabo das Lehrgedicht „De cultura hortorum“ (Über den Gartenbau), ein frühes botanisches Werk über einen Kräutergarten. Darin sind in Versform 23 Heilpflanzen und deren Anwendungsmöglichkeiten beschrieben.

Das kulturtouristische Angebot wurde in den letzten Jahren mit den neuen Museen konsequent weiterentwickelt. Im Gartenbereich dominieren die Glashäuser, die Gemüsefelder und die Weinberge den Anblick der Insel. Der Klostergarten zeigt einen bescheidenen Nachbau des berühmten Hortulusgartens. Wie ein privater Bauerngarten liegt er neben der Klostermauer, abgetrennt durch einen Palisadenzaun, am Rand einer staubigen Durchgangsstraße – das ist wenig Ehre für den berühmten Garten. Nur wer viel weiß, versteht die Bedeutung dieses Gartens für die Gartenkultur Europas.

Zukunft
Der „Hortulus“ als das heilige Buch der europäischen Gartenbaukultur soll als Kern und Identifikation für das Gartenprojekt und die ganze Insel dienen. Der Gartenplan soll im Klostergarten, gerade in seiner Bescheidenheit, besonders reizvoll für den Besucher inszeniert werden. Der „Hortulus“ als einer der fernen Lichtpunkte in der europäischen Gartengeschichte soll so dem Besucher näher gebracht werden.

In den bestehenden Museen werden die Hintergründe der untergegangenen Klosterkultur bereits dargestellt. Im Klostergarten wurde in einem ersten Bauabschnitt der alte Kreuzgarten mit Bepflanzung angedeutet und ein Teil der alten nicht mehr existierenden Klostergebäude wurde mit einer Erdskulptur in ihren Grundmassen markiert. Diese symbolische Sprache deutet an und lässt Raum zum Weiterdenken.

Zur Besucherführung: Nach einer Besichtigung des Münsters und der Schatzkammer gelangt man direkt in den lichtdurchfluteten Garten. Die Häuser, die nicht mehr stehen, sind angedeutet. Die Besucher beginnen zu erahnen, was hier vor vielen hundert Jahren entstand und was heute noch in diesem Boden steckt. Ganz zentral erhebt sich der „Hortulus“ über den anderen Andeutungen, schwebend über dem Untergegangenen. Der Klostergarten wird zu einem Ort der Besinnung und Ruhe. Er regt aber auch zur intensiven Auseinandersetzung mit dem klösterlichen Leben und der Gartenkultur an. Die moderne Interpretation des Gartens schafft eine „neue“ Schicht in der Geschichte des Gartens. Auch das Heute soll nicht zu kurz kommen – die Gemüseinsel und mit ihr die Gärtner öffnen die Insel für die Gäste.